Kein Beruf hängt so sehr an alten Überlieferungen, wie der des Bergmannes. Zu seiner Welt gehören die verschiedensten Bräuche, denen er mit besonderer Liebe zugetan ist. So ist es auch nicht verwunderlich, dass einige dieser Bräuche und Traditionen ihren Weg an die Montanuniversität gefunden haben. Als Träger dieses „Leobner Geistes“ haben sich vor allem die Korporationen hervorgetan, wodurch es uns Cruxen ein besonderes Anliegen ist, die Werte und Traditionen der Montanstudenten nicht nur am Leben zu erhalten, sondern auch mit Leben zu füllen.

 

Der Ledersprung

Als wichtigstes Brauchtum ist der Ledersprung hervorzuheben, der noch heute in ganz wenigen Städten vollzogen wird. Der Ledersprung wird im Rahmen eines Festes veranstaltet. Die tiefe Bedeutung liegt im Sprung über das Bergmannsleder, dem sogenannten Arschleder, in eine andere Welt, die voll Mühen und Gefahren eine andere Einstellung des Lebens erfordert. Das Leder, auf dem man in früheren Zeiten in die Tiefe der Erde rutschte, ist zum Sinnbild dieser Arbeitswelt geworden. Noch heute verwendet man das Leder in Schaubergwerken, um Besucher sicher und ohne Verletzungen in die alten Stollen rutschen zu lassen, daher auch der Name Arschleder.

Der Sprung bedeutet Mut. Mit beiden Füßen zugleich springt man in den neuen, frei gewählten Beruf, der kein Stolpern verträgt, wohl aber rasche Entschlossenheit und Tatkraft verlangt.

So ist der Ledersprung heute in Leoben noch üblich, um die jungen Studenten feierlich in ihren neuen Stand aufzunehmen. Er stellt eine alte Bergmannssitte, nämlich einen Aufnahmeritus dar, der vor zirka 150 Jahren aus dem heute slowakischen Erzbergbaurevier von Schemnitz nach Leoben kam.

Ähnliche Initiationsfeiern sind auch aus den Handwerkszünften bekannt und lassen sich auch bei anderen Völkern in Form von Bräuchen, die wichtige Lebensabschnitte einleiten, feststellen.

Der Ledersprung wird gegenwärtig so abgehalten, dass am Festtag, der nahe dem Barbaratag liegt, die neu Aufzunehmenden Erstsemestrigen, mit dem Bergkittel angetan, antreten und nach Beantwortung mehrerer Fragen von einem Bierfass über das Leder springen. Dieses Leder wird vom Rektor der Montanuniversität und dem ältesten anwesenden Bergmann gehalten. Die Fragen lauten: Dein Name, Deine Heimat, Dein Stand, Dein Wahlspruch? Der Springer gibt die entsprechenden Antworten. Nach der Aufforderung: „So spring in deinen Stand und halt in stets in Ehren!“, leert er ein Glas Bier, das er in der rechten Hand hält und springt sodann über das Arschleder. Als Stand ist Bergmann, Hüttenmann, Erdölmann, in letzter Zeit häufig Umwelttechniker und so weiter anzugeben. Damit ist der Eintritt in den jeweiligen Stand vollzogen und ein Treuegelöbnis dem erkorenen Beruf gegenüber in feierlicher Weise abgelegt.

Das Fest des Ledersprunges ist aber nicht bloß nur eine Aufnahmefeier der neuen Montanisten, sondern eine Veranstaltung die ihresgleichen in Europa sucht. In abwechselnder Reihenfolge, nach ihrem Gründungsdatum, werden die Korporationen der Universität mit der Durchführung des Ledersprunges betraut. Die Erstinskribenten, die keiner Verbindung angehören springen als Gäste bei einer der Korporationen und somit können alle Leobner Studenten diesen wunderbaren Abend miterleben. Als Austragungsort wurde jedes Jahr die Oberlandhalle, eigentlich eine Viehversteigerungshalle, gewählt, die wegen ihrer einmaligen Stimmung sich bestens für dieses Fest eignet, jedoch wird diese abgerissen und ein neuer Veranstaltungsort gesucht werden. Die Chargierten der Verbindungen ziehen zu Beginn mit dem Rektor und den Professoren ein und eröffnen den Festakt. Es werden Studenten- und Bergmannslieder gesungen und auch einige Bierchen getrunken. Gegen 21.00 Uhr folgt der Einzug der Springer, die mit dem Lied „Fuxenritt- Was kommt dort von der Höh“ in das Oval der Halle einziehen. Ein Springer einer Verbindung hält nun eine Rede, die sich meist in lustigen Worten mit den ersten Eindrücken eines jungen Montanisten von der Universität und der Stadt Leoben auseinander setzt. Als nächste Rede folgt die Burschenrede, bei der ein Bursch der durchführenden Verbindung ein Thema der ernsten Gegenwart wählt. Die dritte Rede wird vom Rektor der Montanuniversität gehalten, in der öfters in launiger Weise einige Tatsachen der Hochschulpolitik und Ähnliches aufs Korn genommen wird.

Dazwischen werden wieder Lieder gesungen und in der Halle entsteht eine immer fröhlichere und ausgelassenere Stimmung. Nun folgt der eigentliche Akt des Ledersprunges. Die Springer stellen sich nach einander hinter dem Bierfass auf und warten gespannt auf ihren Auftritt. Unter großem Beifall aus den Rängen springen die jungen Studenten und unsere neuen Professoren in ihren Stand. Nach dem letzten Springer beendet das Lied "Burschenherrlichkeit" den Ledersprung. Das war es aber noch lange nicht. Im Anschluss zieht jede Verbindung mit ihren Gästen und Springern zurück auf ihr Verbindungshaus. Dort stärkt man sich bei einigen Broten, um die notwendige Kraft für den restlichen Abend zu haben. Wenn es langsam wieder hell wird, ziehen die letzten launigen Studenten nach Hause, um sich den notwendigen Schlaf für das nun folgende Wochenende zu holen.

Jeder, der am Ledersprung einmal aktiv teilgenommen hat, wird auch in den folgenden Jahren als Besucher wiederkommen, um aus den Gästerängen den nun neuen Springern zuzusehen und diese einmalige Stimmung wieder zu erleben

 

Der Bierauszug

„Der Leobner Bierauszug ist eine Veranstaltung der Montanuniversität Leoben, der Österreichischen Hochschülerschaft an der Montanuniversität Leoben und der Leobner Korporationen, der von einer durch den Rektor betrauten Verbindung durchgeführt wird“... So lautet der erste Satz im Bierauszugsabkommen von 1997, den Rest dieses Schriftstücks sparen wir uns jetzt hier. Wer den Bierauszug veranstaltet, wissen wir jetzt, aber was ist diese Veranstaltung eigentlich und wie läuft sie ab? In der letzten Woche des Sommersemesters findet der Auszug der Studenten statt. Sie treffen sich vor dem neuen Uniportal, ziehen dann zum alten Portal, an dem der Rektor die Studenten in die Ferien verabschiedet. Dann zieht der Festzug, angeführt von der Bergkapelle, danach den Chargierten, den Wagen mit den Auszüglern (Absolventen) und zuletzt den Studenten, geordnet nach Semestern (2., 4., 6., 8., 10., „Verbummelte“) durch die Stadt, wobei sie am Hauptplatz das Leobner Lied singen und vom Bürgermeister in die Ferien aus der Stadt verabschiedet werden. Weiter zieht der Festzug auf die nahegelegene Massenburg, dort wird im Hof der Ruine das Fest mit einem „Dämmerschoppen“ bei Freibier fortgesetzt.

Der Bierauszug ist im Gegensatz zu Ledersprung und Philistrierungen, Traditionen, die aus Schemnitz (heute Slowakei) überliefert worden sind, eine echte Leobner Feier deren Ursprung auf das späte 19. Jahrhundert zurückgeht. Damals waren Ferien noch nicht gleichzusetzen mit Freizeit, im Gegenteil, für die meisten Studenten bedeuteten die Sommermonate härteste Arbeit in Berg- und Hüttenbetrieben. Der Auszug repräsentierte also die letzte Feier vor der harten Arbeit und bedeutete für die Studenten auch für einige Monate Abschied nehmen von der (Wahl-) Heimatstadt Leoben, für die Auszügler vielleicht sogar für immer.

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Die Philistrierung

Die Philistrierung ist die traditionelle Sponsionsfeier der Absolventen der Montanuniversität. Wie viele andere Leobner Bräuche auch, so hat auch die Philistrierung ursprünglich mit den aus Schemnitz (heutige Slowakei) nach Leoben ziehenden Studenten ihren Weg hierher gefunden. In dieser Art ist sie leider nur noch in Leoben anzutreffen, wo sie aber dafür nicht nur von den studentischen Korporationen sehr gerne zelebriert wird, sondern auch von vielen nichtkorporierten Studenten, die etwas Leobner Tradition leben möchten.

Bei der B! Cruxia wird die Philistrierung mit einer kurzen Kneipe begonnen. Es bietet sich hier bereits die Gelegenheit, in offiziellem Rahmen Worte an den Philistranten und die Festcorona zu richten.

Anschließend findet ein Umzug durch Leoben statt. Der Philistrant wird dabei auf einer Kutsche durch die Stadt bis zum Hauptportal der Montanuniversität geführt, vor ihm ziehen die Chargierten und hinter ihm die Festgemeinde. Die lautstarken Sänger sorgen dafür, dass ganz Leoben Notiz davon nimmt. Bei der Universität angekommen setzt sich der Philistrant auf die Schultern zweier Bundesbrüder, die ihn an das Portal heben. Nach der ersten Strophe des „Gaudeamus igitur!“ stellt der Sprecher dem Philistranten noch einmal die Fragen, die ihn sein Fuxmajor schon beim Ledersprung gestellt hat: „Dein Name? Dein Stand? Deine Heimat?“, bevor es zur entscheidenden Frage kommt: „Die Anzahl deiner Semester?“ Nachdem der Philistrant die Fragen wahrheitsgemäß beantwortet hat, befiehlt der Sprecher: „Man philistriere ihn nach der Anzahl seiner Semester!“ Für jedes Studiensemester wird der Philistrant dann von seinem Leibburschen einmal gegen das Universitätsportal geschlagen, damit er seine Zeit in Leoben nicht vergisst. Dabei kann es durchaus auch einmal passieren, dass sich sein Leibbursch etwas verzählt und ihn zu oft an das Portal schlägt. Anschließend leert der Philistrant ein Glas Bier, zerschlägt das Glas und ruft seinen Wahlspruch. Die Zeremonie endet mit der vierten Strophe des „Gaudeamus igitur!“: „Vivat academia, vivant professores!“

Anschließend setzt sich der Philistrant wieder auf seine Kutsche und wird zum Hauptplatz gebracht, wo er seinen Dank an die heilige Barbara durch einen Kuss für den Bergmann am Bergmannsbrunnen bezeugt. Hier ist es üblich, dass er ein paar Worte an seine Liebsten richtet und einen Schwank aus seinem Studentenleben erzählt.

Bei der Leobner akad. B! Cruxia wird der Umzug in der Zellergasse beendet. Der Philistrant steht auf einem Holzfass und stimmt das Lied „Drei Bilder und eine Pfeife“ an, das seinen Abschied aus dem alten, trauten Leoben beschreiben soll. Danach finden sich alle zur Nachfeier am Cruxenhaus ein, die durchaus bis in die Morgenstunden des nächsten Tages dauern kann.

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