Das Thema Mensur ist für Außenstehende wahrscheinlich das größte Mysterium, wenn sie mit schlagenden Verbindungen in Berührung kommen. In knapp 500 Jahren entwickelte sich das studentische Fechten zu seiner heutigen Form. Es sei hier auf den sehr ausführlichen Artikel auf Wikipedia verwiesen, der die Geschichte und den Ablauf der Mensur gut erläutert.

Die oft gestellte Frage warum wir fechten ist einfach zu beantworten. Wir Cruxen leben innerhalb der Burschenschaft das Lebensbundprinzip. Die lebenslange Freundschaft, das hundertprozentige Einstehen füreinander und unser fester Zusammenhalt bedürfen eines Selektionskriteriums, und die Mensur stellt das geeignetste Mittel dar. Vielen jungen Studenten gefällt es, an ihrem Studienort eine Gruppe zu finden, zu der sie sich zugehörig fühlen. Anders als in z.B. einem Sportverein verbringen wir nicht nur gelegentlich Zeit miteinander, sondern leben und erleben wir unsere Studienzeit sehr intensiv miteinander. Der oftmals zitierte Spruch „Eine Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied“ trifft auch bei uns zu.

Während der Fuxenzeit lernt das neue Mitglied die Burschenschaft und die Cruxia das neue Mitglied näher kennen. Während dieser meist zwei Semester dauernden Zeit erlernt der Fux auch den Umgang mit dem leichten Korbschläger, die Regeln (Fechtcomment) und den Ablauf einer Mensur. Das Wichtigste in der Fuxenzeit ist aber sicherlich die reifende Erkenntnis, ob man vollwertiges Mitglied der Cruxia werden will, oder aber auch nicht. Die Entscheidung für die Mensur ist ein eindeutiges Bekenntnis zum Wunsch ein Bursch zu werden. Wenn sich die älteren Bundesbrüder sicher sind, dass der Fux das fechterische Niveau erreicht hat, um eine Mensur fechten zu können, wird eine solche mit einer anderen schlagenden Verbindung ausgemacht. Nahezu immer treten bei diesem ersten Mal zwei Fuxen miteinander an. Warum miteinander mag man sich hier fragen?

Eine Mensur ist ein sehr emotionelles Erlebnis. Das Wechselspiel aus Angst und Mut, Hoffnung und Überwindung und vor allem die Freude, wenn die Mensur vorbei ist, machen dieses Erlebnis aus. Nicht nur der Fechter (Paukant) selbst erlebt die Mensur intensiv. Ihm zur Seite stehen seine Bundesbrüder, die alle auch gefochten haben und genau wissen, was der Paukant durchmacht. Nach Beendigung einer Mensur entscheiden die anwesenden Bundesbrüder, ob der Paukant die Mensur genehmigt bekommt. Es kommt dabei nicht darauf an, ob man mehr Treffer ausgeteilt als eingesteckt hat. Es kommt vielmehr darauf an, ob das Erlernte den Regeln entsprechend umgesetzt worden ist und vor allem, ob der Paukant die Mensur moralisch durchgestanden hat.

Die Erfahrung auf Mensur prägt unsere Mitglieder nachhaltig. In dieser Extremsituation, die eine Mensur vor allem psychisch für jeden darstellt, lernt man sehr gut seine eigenen Grenzen kennen. Die Tatsache eine Mensur gemeistert zu haben gibt Selbstvertrauen in vielen Situationen, das Durchhalten und Mut zum Handeln sind Eigenschaften, die der Karriereentwicklung im Berufsleben dienlich sind.